Intern
    Lehrstuhl für Sonderpädagogik IV

    Wie entwickeln sich Kinder in Kooperationsklassen?

    Projektleitung

    Prof. Dr. Christoph Ratz

    Dr. Eva Stumpf (Dipl. Psych.) 

    Projektbeschreibung

    Gefördert vom Unibund der Universität Würzburg

    Hintergrund: Mit dem seit 2003 gültigen BayEUG wurden in Bayern neue Organisationsformen sowohl für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf als auch für Grund- und Hauptschüler geschaffen. Zwar gibt es aus anderen Bundesländern Forschungsarbeiten zur Integration, die dort vorhandene Situation ist jedoch nicht mit den sehr speziellen schulrechtlichen Bedingungen in Bayern vergleichbar. Darüber hinaus gibt es keine Forschungsarbeiten, die longitudinal die unten beschriebenen Auswirkungen erheben.

    Fragestellungen: Im Rahmen des Projekts soll untersucht werden, wie sich Erstklässer mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf in so genannten „Kooperationsklassen" entwickeln:

    • Wie entwickeln sich die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die in Kooperationsklassen unterrichtet werden, im Vergleich zu solchen, die in herkömmlichen Förderschulklassen unterrichtet werden? Gibt es spezifische Vor- und Nachteile der einzelnen Schulformen für die Entwicklung der Kinder?
    • Wie wirkt sich der institutionalisierte gemeinsame Unterricht in den „Kooperationsklassen" auf die Grundschüler aus? Treten im Verlauf der weiteren Entwicklung Unterschiede zu Schülern der herkömmlichen Grundschule auf?
    • Werden mögliche Unterschiede zwischen Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf und Grundschulkindern der Kooperationsklassen im Laufe der weiteren Entwicklung größer und verläuft diese Entwicklung parallel zu den nicht-integrierten Schulklassen?

    Im Focus stehen folgende Entwicklungsbereiche:

    • Schulische Leistungen
    •  

    • Aufmerksamkeit
    •  

    • Lern- und Leistungsmotivation
    •  

    • Selbstkonzept
    •  

    • sozial-emotionale Variablen (Gemeinschaftsgefühl, Spaß an der Schule, Freundschaften, soziale Auffälligkeiten ...)

    Methode: Die Entwicklung der Kinder wird vom Beginn der ersten Jahrgangsstufe bis zum Ende der Grundschulzeit untersucht. Im ersten Schuljahr werden zwei Messzeitpunkte durchgeführt, um eine Entwicklung im Verlauf abbilden zu können. Für einen Vergleich verschiedener schulischer Modelle werden sowohl Kinder aus Kooperationsklassen als auch aus herkömmlichen Grundschul- und Förderschulklassen in die Studie einbezogen. Die Erhebung der fokussierten Merkmale wird über standardisierte Verfahren (Leistungstests, standardisierte Fragebögen) sowie Verhaltensbeobachtungen und Ablaufprotokolle des Unterrichts vorgenommen. Darüber hinaus ist die Erstellung eigener Fragebögen für die Eltern und Lehrer der Kinder notwendig, da zu einzelnen Bereichen keine für die Subpopulation geeigneten Messinstrumente vorliegen. 

    Design:

    • 4 Kooperationsklassen (je ca. 4 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf und ca. 20 Grundschüler)
    • 2 herkömmliche Förderschulklassen mit Schülern des Förderschwerpunktes Lernen (ca. je 12 Kinder)
    • 1 herkömmliche Grundschulklasse (N=25)

    Der Stichprobenumfang wird im Schuljahr 2004/05 insgesamt ca. 150 Probanden betragen.

    Darstellung des Versuchsplans für das Schuljahr 2004/05:

    Forschungsinstrumente: 

    Zur Erfassung der relevanten Merkmale ist der Einsatz folgender Verfahren vorgesehen:

    • Phonologische Bewusstheit bei Kindergartenkindern und Schulanfängern (PB-LRS)
    • Deutscher Mathematiktest für erste Klassen (DEMAT 1+)
    • Diagnostischer Rechtschreibtest für 1. Klassen (DRT 1)
    • Würzburger Leise Leseprobe (WLLP)
    • Lehrerfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen (TRF)
    • Elternfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen (CBCL 4-18)
    • Bildertest zum sozialen Selbstkonzept (BSSK)
    • Münchner-Aufmerksamkeits-Inventar (MAI)

    Bisherige Veröffentlichungen 

    • Ratz, Christoph / Stumpf, Eva (2007): Die Entwicklung von Kindern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf in Kooperationsklassen - Bericht über eine Langzeitstudie.
    • Ratz, Christoph; Stumpf, Eva (2009): Leistungsentwicklung und soziales Selbstkonzept von Kindern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf in bayerischen Kooperationsklassen - Eine Langzeitstudie. In: Böttcher, Wolfgang; Dicke, Jan Nikolas und Ziegler, Holger (Hrsg.): Evidenzbasierte Bildung. Wirkungsevaluation in Bildungspolitik und pädagogischer Praxis. Münster: Waxmann, S. 139-152.
    Kontakt

    Lehrstuhl für Sonderpädagogik IV - Pädagogik bei Geistiger Behinderung
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    97074 Würzburg

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